Der Lebensraum Diakonie und die AWOCADO Service gGmbH werden ihre gemeinsame Arbeit in
der job.sozial GbR zum 31.12.2026 einstellen.
Ursprünglich gegründet für die Vermittlung und Koordination von Arbeitsgelegenheiten hat die
job.sozial GbR in über 20 Jahren zahlreiche Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte für Arbeitsuchende
durchgeführt. In Spitzenzeiten organisierten bis zu 120 hauptamtlich Beschäftigte, gefördert
über das Jobcenter und den Europäischen Sozialfond, Werkstattprojekte, drei Sozialkaufhäuser,
die Bootsbauprojekte „Salzewer“ und „Prahm“ sowie spezielle kreative Angebote wie z.B. ein
Bauernhof-, ein Theater-, und ein Zeitungsprojekt.
Im Zuge von Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand und einem sich wandelnden Arbeitsmarkt verkleinerte
sich das Aufgabenfeld für die job.sozial GbR deutlich, zuletzt musste auch die Jugendwerkstatt
geschlossen werden.
Aktuell betreibt die job.sozial GbR noch die Sozialkaufhäuser ZEUGHAUS in Lüneburg und FUNDUS
in Dahlenburg. In beiden Einrichtungen werden im Auftrag des Jobcenters auch Plätze für
Arbeitsgelegenheiten vorgehalten. Diese dienen der Wiederherstellung von Beschäftigungsfähigkeit
und sozialer Teilhabe.
Die AWOCADO Service gGmbH plant die Fortführung des Betriebes des ZEUGHAUS ab dem
01.01.2027 unter dem Dach der AWO. Über die Förderung der Arbeitsgelegenheiten entscheidet
das Jobcenter jährlich neu, maßgeblich abhängig von zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln
und dem eingeschätzten Bedarf an Einsatzstellen.
Für das FUNDUS in Dahlenburg sehen die Gesellschafter aus strukturellen wirtschaftlichen Gründen
keine positive Fortführungsprognose und werden das FUNDUS daher zum Jahresende schließen.
Wir (Tanja Mainz als Vorstandsvorsitzende des Lebensraum Diakonie und AWO-Geschäftsführer
Günter Wernecke) bedauern sehr, diesen Schritt gehen zu müssen. Wir sind vor knapp 20 Jahren
mit offenen Armen in Dahlenburg empfangen worden, das FUNDUS ist fester Bestandteil des Lebens
in der (Samt-)gemeinde. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Teilnehmenden
in den Arbeitsgelegenheiten und Freiwillige haben sich mit Herz und großem Engagement für das
FUNDUS eingesetzt. Nur aus diesen Gründen haben wir trotz der schon länger andauernden wirtschaftlichen
Schwierigkeiten bis hierhin am Betrieb des FUNDUS festgehalten.
Zu den Hintergründen – das FUNDUS ist ursprünglich mit bis zu 46 Teilnahmeplätzen für Arbeitsgelegenheiten
gestartet. Zunächst im Zuge von Sparmaßnahmen im Bundeshaushalt, später auch aufgrund
eines sich wandelnden Arbeitsmarktes mussten die Plätze nach und nach bis auf aktuell 7
Plätze reduziert werden, entsprechend reduzierte sich auch der Umfang an hauptamtlicher Anleitung.
Organisatorisch muss eine sehr große Fläche mit wenig hauptamtlichen Kräften bespielt werden,
zudem konnten aus personellen Gründen Abteilungen wie Möbelabgabe und Haushaltsauflösungen
nicht mehr bedient werden.
Konzeptionell und organisatorisch hat sich das FUNDUS fortlaufend mit äußerst knappen Ressourcen
an veränderte Gegebenheiten angepasst.
Seit einiger Zeit ist jedoch zudem ein erheblicher Rückgang in den Spendenerlösen aus der Abgabe
der Gebrauchtwaren zu verzeichnen. Diese Entwicklung wird bundesweit in vielen Sozialkaufhäusern
beobachtet.
In den vergangenen Jahren haben wir wiederkehrend mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedenen
Ebenen von Politik und Verwaltung über die Situation im FUNDUS gesprochen, um
mögliche Perspektiven auszuloten. Hierbei haben wir inhaltlichen Zuspruch erfahren, eine wirtschaftlich
tragfähige Lösung konnte nicht gefunden werden.
Darüber hinaus sehen sich AWO und Diakonie mit politischen Planungen zu klarem Sozialabbau
konfrontiert. Angebote wie die Sozialberatung oder die Migrationsberatung, in denen jedes Jahr tausende
von Beratungen für Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis Lüneburg durchgeführt
werden, sind schon jetzt deutlich unterfinanziert, weitere Kürzungen sollen folgen. Angedachte Kürzungen
in der Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe, der Schulbegleitung, der Assistenzdienste für
Menschen mit Behinderungen und der Altenhilfe werfen für die Wohlfahrtsverbände existenzielle
Fragen auf und verengen die Handlungsspielräume. Die Folgen des Sozialabbaus werden zuerst in
den Kommunen sichtbar.
Lüneburg, 07.07.2026
Tanja Mainz
Vorstandsvorsitzende
Günter Wernecke
Geschäftsführer